Hamnet

Di 30.6. (18 und 20 Uhr) / Do 2.7. (17:30) / So 5.7. (13:00)

Hamnet

GB/USA 2025; Regie: Chloé Zhao; Darsteller*innen: Jessie Buckley, Paul Mescal, JoeAlwyn, Emily Watson, Zac Wishart; FSK: ab 12; 125 Minuten

Wir schreiben das Jahr 1580, und der im kleinen englischen Dorf Stratford-upon-Avon als Lateinlehrer arbeitende William Shakespeare verliebt sich in Agnes. Im Dorf wird hinter immer weniger vorgehaltener Hand vermutet, sie sei eigentlich gar keine Heilerin, sondern eine richtige Hexe. Aber das ist William egal. Die beiden stürzen sich Hals über Kopf in das gemeinsame Leben und bekommen auch schnell drei Kinder. Doch mit der Familie endet das Träumen zumindest für William noch nicht. Er will das Lehren endlich hinter sich lassen können und als Dramatiker arbeiten. Auf dem Land geht das jedoch eher schlecht als recht. Also geht er, ermutigt von Agnes, nach London. Erst ist die Familie als nur räumlich voneinander getrennt, dann pflügt die Pest durch das Land und tötet den elfjährigen Sohn der Familie.

Der Film Hamnet beleuchtet die tiefen emotionalen Herausforderungen, denen sich Agnes und William gegenüberstehen, und zeigt, wie dieser tragische Verlust möglicherweise die Entstehung von Shakespeares berühmtem Stück Hamlet beeinflusste. Bei der Oscar-Verleihung wurde Jessie Buckley als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. »Hamnet ist einer der besten Filme des Jahres – aber auch einer der traurigsten aller Zeiten.«

Sentimental Value

Di 23.6. (17:30 und 20 Uhr) / Do 25.6. (17 Uhr) / So 28.6. (13 Uhr)

Sentimental Value

Norwegen 2025; Regie: Joachim Trier; Darsteller*innen: Renate Reinsve, Stellan Skarsgård, Inga Ibsdotter Lilleaas, Elle Fanning; FSK ab 12; 135 Minuten

Gustav Borg kehrt nach der Beerdigung seiner Frau nach Jahren der Funkstille plötzlich in das Leben seiner Töchter und in die Familien-Villa zurück – mit einem charmanten Grinsen und dem emotionalen Gepäck eines halben Lebens. Augenblicklich geraten alte Familiendynamiken ins Rollen. Und nach und nach wird deutlich, dass sich Vater und Töchter ähnlicher sind, als sie glaubten. Vielleicht ist es doch nicht zu spät für einen Neuanfang?

Der Vater war einmal ein berühmter Regisseur, der seine Arbeit stets über die Familie stellte, aber seit 15 Jahren keinen Spielfilm mehr realisiert hat. Ein unerschütterlicher Egozentriker ist er nach wie vor, der den Gefühlen der anderen entrückt scheint und kein Talent dafür hat, um Verzeihung zu bitten. Er hat ein Drehbuch über den Selbstmord seiner Mutter mitgebracht. Seine Tochter Nora, eine gefeierte Bühnendarstellerin, soll die Hauptrolle spielen. Brüsk weist sie sein Angebot zurück, das insgeheim ein väterliches Liebeswerben ist. Auf einem Festival lernt Gustav den Hollywoodstar Rachel Kemp kennen; sie möchte unbedingt mit ihm arbeiten und die Rolle übernehmen, die eigentlich für Nora geschrieben wurde.

SENTIMENTAL VALUE erzählt mit großer Leichtigkeit und viel Humor die Geschichte einer Familie, die noch lange im Kopf und im Herzen bleibt. Bei den Filmfestspielen von Cannes wurde der Film mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet, gewann beim Europäischen Filmpreis 6 Auszeichnungen, u. a. als bester Film, und wurde bei der Oscar-Verleihung als bester internationaler Film ausgezeichnet. Bei den Golden Globes wurde Stellan Skarsgard als Vater als bester Nebendarsteller ausgezeichnet.

Buster Keaton

Nur Sonntag, 21.6.2026, 14 Uhr

Stummfilmkonzert mit Filmen von Buster Keaton

Cinema Paradiso zeigt anlässlich des Landesmusikfestivals in Zusammenarbeit mit dem Seniorennetzwerk der Stadt Sinsheim und dem Citydom die Stummfilme Love Nest und Steamboat Bill Jr. von Buster Keaton, live begleitet vom Duo improCinema mit Günter A. Buchwald (Klavier und Violine) und Frank Bockius (Schlagzeug). Eintritt: 10 €

Günter A. Buchwald ist einer der Mitbegründer der Stummfilmrenaissance. Seit 1978 hat er annähernd 3650 verschiedene Filme begleitet. Vom Solopianisten am Klavier entwickelte er sich zum gefragten Duo- und Ensembleleiter, zum Komponisten bis hin zum Dirgenten großer Sinfonieorchester. Er ist u. a. musikalischer Direktor des Slapstickfestivals in Bristol (UK), Dirigent des Octuor de France und des Philharmonischen Orchesters Freiburg.

Love Nest (Das Liebesnest)

USA 1923; Regie: Buster Keaton; Darsteller*innen: Buster Keaton, Joe Roberts, Virginia Fox; 20 Minuten
Um seinem Leben und seiner verlorenen Liebe zu entfliehen, macht sich Buster Keaton mit seinem kleinen Boot Cupid auf den Weg, stößt aber auf das Walfangschiff The Love Nest. Der gnadenlose Kapitän des Walfängers wirft die Besatzungsmitglieder schon bei der kleinsten Verfehlung über Bord.

Steamboat Bill Jr.

USA 1928; Regie: Buster Keaton; Darsteller*innen: Buster Keaton, Ernest Torrence, Marion Byron; 71 Minuten

Der alte Dampfschiff-Kapitän Steamboat Bill Sr. fährt an den Ufern des Mississippi und muß gegen die Konkurrenz des neureichen Mr. King ankämpfen. Sein Sohn ist ihm dabei keine große Hilfe. Der verträumte Dandy verliebt sich nämlich ausgerechnet in Kings Tochter Kitty und gerät damit in Loyalitätskonflikte. Keatons letztes unabhängig produziertes Meisterwerk besticht mit seinen brillanten Einfällen und seiner soliden Dramaturgie. Der Film wurde in hoher Qualität digital restauriert.

Ein Kuchen für den Präsidenten

Di 16.6. (18 und 20 Uhr) / Do 18.6. (17:30)

Ein Kuchen für den Präsidenten (MAMLAKET AL-QASAB)

Irak/USA/Katar 2025; Regie: Hasan Hadi; Darsteller*innen: Baneen Ahmad Nayyef, Sajad Mohamad Qasem, Waheed Thabet Khreiba; FSK: o. A.; 105 Minuten

Der Irak in den 1990er Jahren. Während Diktator Saddam Hussein trotz Not und Mangel seinen Geburtstag landesweit feiern lässt, zieht die 9-jährige Lamia in ihrer Schule ein gefürchtetes Los: Sie muss den Kuchen für die örtlichen Feierlichkeiten backen. Es ist eine fast unlösbare Aufgabe, denn im Land sind alle Lebensmittel knapp. Eier, Zucker und Mehl sind es erst recht. Doch sie muss es schaffen, sonst drohen ihrer Familie harte Strafen. Mit nur zwei Tagen Zeit, der Unterstützung ihres Klassenkameraden Saeed und begleitet von ihrem Hahn Hindi bricht sie auf, um in der nächsten Stadt die Zutaten aufzutreiben. Es ist eine abenteuerliche Suche durch eine Welt voller Ungewissheit und Entbehrung, aber auch kleiner Wunder, in der Lamia immer wieder Momente von Humor, Freundschaft und Hoffnung erlebt.

Einen Kuchen für den Präsidenten backen, während das Land hungert? Aus dieser einfachen Prämisse entwickelt Autor und Regisseur Hasan Hadi einen bewegenden und bittersüßen Abenteuerfilm, in dem kindliche Unschuld auf die harsche Wirklichkeit eines unterdrückten Landes trifft. Und in dem die Menschlichkeit immer wieder kleine, aber entscheidende Siege erringt.

Regisseur Hadi verarbeitet mit seinem Debütfilm seine eigene Kindheit in den betörend schönen Marschlandschaften des Südirak und erzählt sie mit einem reinen Laien-Ensemble, in dem die kleine Baneen Ahmed Nayyef alle überragt. Ihr Herz, Optimismus und unterschwelliger Humor tragen die Reise der kleinen Lamia, die nicht aufgibt und gegen alle Widerstände in der männerdominierten Welt ihren Weg geht.

Madame Kika

Di 9.6. (18 und 20 Uhr) / Do 11.6. (17:30) / So 14.6. (13:00)

Madame Kika

Belgien 2025; Regie: Alexe Poukine; Darsteller*innen: Manon Clavel, Makita Samba, Anaël Snoek, Ethelle Gonzalez Lardued, Suzanne Elbaz, Thomas Coumans, Kadija Leclere, Bernard Blancan; FSK: ab 16; 110 Minuten

Die Sozialarbeiterin Kika, gerade erst einer eingeschlafenen Beziehung entronnen und glücklich verliebt, steht auf einmal unerwartet vor dem Scherbenhaufen ihres Lebens: Sie ist zum zweiten Mal schwanger, als ihr Partner plötzlich stirbt und sie alleinerziehend mit ihrer Tochter ohne Wohnung und ohne Geld dasteht. Völlig am Boden zerstört, bleibt ihr nichts anderes, als ihre Prioritäten klar zu setzen und unkonventionelle Wege zu beschreiten. Dass dabei schmutzige Unterwäsche, Dildos und neurotische Eltern ihren Weg ebenso kreuzen wie kollegiale Dominas, hätte sie nicht erwartet. Und vor allem letztere helfen ihr, nicht vollends unterzugehen und sich in dieser neuen Welt aus Schmerz, Macht und Lust zurechtzufinden.
Madame Kika ist ein intensives, humorvolles Drama über Verlust, Selbstbehauptung und die Suche nach Würde. Mit Manon Clavel in einer elektrisierenden Hauptrolle, die bereits beim BRIFF in Brüssel mit dem Best Actress Award ausgezeichnet wurde. Des Weiteren wurde der Film in München mit dem diesjährigen CineMasters Award als bester internationaler Film prämiert.

Der belgischen Regisseurin Alexe Poukine ist es gelungen, ihre Hauptdarstellerin mit feinem schwarzem Humor, ohne Voyeurismus und Klischees in Szene zu setzen. Madame Kika ist ein schonungsloses, gleichzeitig zärtliches Porträt einer Frau, die allen Widrigkeiten trotzt, ihre eigene Stärke entdeckt und sich selbst neu erfindet.

No other choice

Di 2.6. (17:30 und 20 Uhr) / Do 4.6. (17:00) / So 7.6. (13:00)

No other choice (Eojjeolsuga eobsda)

Südkorea 2025; Regie: Park Chan-Wook; Darsteller*innen: Lee Byung-Hun, Je-jin Son, Park Hee-son; FSK: ab 16; 139 Minuten

Wenn künstliche Intelligenz deinen Job übernimmt – wie weit würdest du gehen?
Man-su hat alles richtig gemacht: Haus, Familie, geregeltes Leben – und genug Zeit für sein geliebtes Bonsai-Hobby. Doch als eine KI seinen Job ersetzt, gerät seine Existenz ins Wanken. Während seine Familie auf mehr und mehr Annehmlichkeiten verzichten muss, stellt sich Man-sus Jobsuche als unmöglich dar. Doch schon bald erkennt er: Nicht der Mangel an Jobs ist das Problem, sondern die Menge an Mitbewerbern. Ihm bleibt keine andere Wahl, als sich auf sehr ungewöhnliche Weise seiner Konkurrenten zu entledigen.

Mit No other choice liefert Park Chan-wook eine bitterböse, brillant inszenierte Satire, die schwarzen Humor mit schonungsloser Gesellschaftskritik verbindet – präzise, abgründig und unvorhersehbar. Der Film feierte seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Venedig 2025 und gilt bereits jetzt als kompromissloses Kinoerlebnis mit Kultpotenzial.

Lolita lesen in Teheran

Di 26.5. (18 und 20 Uhr) / Do 28.5. (17:30) / So 31.5. (13:00)

Lolita lesen in Teheran

Israel/Italien/GB 2024; Regie: Eran Riklis; Darsteller*innen: Golshifteh Farahani, Zar Amir Ebrahimi, Mina Kavani, Bahar Beihaghi; FSK: ab 12; 107 Minuten

Im postrevolutionären Teheran der 1990er-Jahre wagt die Literaturprofessorin Azar Nafisi einen stillen Akt des Widerstands: In ihrer Wohnung versammelt sie heimlich sechs ihrer Studentinnen zu einem privaten Lesekreis. Gemeinsam tauchen sie in die verbotenen Werke der westlichen Literatur ein – von Vladimir Nabokov über F. Scott Fitzgerald und Henry James bis hin zu Jane Austen. Inmitten politischer Repression und religiöser Kontrolle wird das Lesen zu einem Akt der Selbstermächtigung, der die Frauen zum Reflektieren über Freiheit, Liebe und Identität inspiriert.

Regisseur Eran Riklis erzählt die wahre Geschichte von Azar Nafisi, basierend auf ihrem gleichnamigen internationalen Bestseller. Entstanden ist ein zutiefst bewegendes Drama über Mut, Hoffnung und die stille Kraft der Worte. In poetischen Bildern und getragen von einem herausragenden Ensemble um Golshifteh Farahani und Zar Amir zeigt der Film eindrucksvoll, wie Literatur selbst in den dunkelsten Zeiten Räume innerer Freiheit schaffen kann.
Lolita lesen in Teheran zeigt, wie Literatur zum Zufluchtsort wird – und zur Rebellion. Nach den Memoiren von Azar Nafisi erzählt der Film leise und eindringlich von Freundschaft, Mut und der Kraft des geschriebenen Wortes. (Cinema Iran)

22 Bahnen

Di 19.5. (18 und 20 Uhr) / Do 21.5. (17:30) / So 24.5. (13:00)

22 Bahnen

Deutschland 2025; Regie: Mia Maariel Meyer; Darsteller*innen: Jannis Niewöhner, Luna Wedler, Laura Tonke, Sabrina Schieder, Zoë Baier; FSK: o. A.; 102 Minuten

Tildas Tage sind streng durchgetaktet: studieren, an der Supermarktkasse sitzen, schwimmen, sich um ihre kleine Schwester Ida kümmern – und an schlechten Tagen auch um ihre Mutter. Zu dritt wohnen sie im traurigsten Haus der Fröhlichstraße in einer Kleinstadt, die Tilda hasst. Ihre Freunde sind längst weg, leben in Amsterdam oder Berlin, nur Tilda ist geblieben. Denn irgendjemand muss für Ida da sein, Geld verdienen, die Verantwortung tragen. Nennenswerte Väter gibt es keine, die Mutter ist alkoholabhängig. Eines Tages aber geraten die Dinge in Bewegung: Tilda bekommt eine Promotion in Berlin in Aussicht gestellt, und es blitzt eine Zukunft auf, die Freiheit verspricht. Und Viktor taucht auf, der große Bruder von Ivan, den Tilda fünf Jahre zuvor verloren hat. Viktor, der – genau wie sie – immer 22 Bahnen schwimmt. Doch als Tilda schon beinahe glaubt, es könnte alles gut werden, gerät die Situation zu Hause vollends außer Kontrolle.

22 Bahnen erzählt die Geschichte zweier Schwestern, die sich mit unerschütterlichem Glauben an die Schönheit des Lebens gegen beschissene Voraussetzungen wehren, um ihren Leben eine andere Richtung zu geben. Ein Film über das Erwachsenwerden, die Liebe und bedingungslosen Zusammenhalt, basierend auf dem Bestseller von Caroline Wahl, ausgezeichnet mit dem Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Literaturadaption.

Bon Voyage

Di 12.5. (18 und 20 Uhr) / Do 14.5. (17:30) / So 17.5. (13:00)

Bon Voyage – Bis hierher und noch weiter

Frankreich 2025; Original-Titel: ON IRA; Regie: Enya Baroux; Darsteller*innen: Hélène Vincent, Pierre Lottin, David Ayala, Juliette Gasquet; FSK: ab 12; 97 Minuten

Marie hat ihren festen Tagesrhythmus. Umgeben von Erinnerungen lebt sie allein in ihrem seniorengerecht gestalteten Haus mit Treppenlift und Notruf. Doch sie ist sehr krank – der Krebs ist zurückgekommen und hat sich ausgebreitet. Marie hat genug vom Leiden und möchte selbst entscheiden, wie ihr Leben endet. Der Termin in der Schweiz, wo Sterbehilfe erlaubt ist, steht schon fest – nächste Woche. Doch bevor Marie abreist, benötigt die noch die Unterschrift eines Angehörigen unter dem Sterbehilfe-Dokument, und sie braucht jemanden, der sie in die Schweiz fährt.

Für beide Probleme heißt die Lösung Rudy, ein Altenpfleger, der ihr zu Hilfe kommt, weil Maries Treppenlift steckengeblieben ist. Kurzerhand macht Marie ihn zum Komplizen: Sie gibt ihn als ihren Sohn aus und bringt ihn mit einer kleinen Erpressung dazu, als Chauffeur zu fungieren. Der listigen Marie gelingt es außerdem, ihren chaotischen und chronisch insolventen Sohn Bruno zur Mitfahrt zu bewegen. Ihre 15-jährige Enkelin Anna lädt sich selbst ein, denn sie denkt ebenso wie Bruno, dass Marie wegen einer Erbschaft in die Schweiz fährt. Maries altes Wohnmobil wird flottgemacht – und schon geht’s los! Während die Reise voller unerwarteter Momente und familiärer Spannungen verläuft, steht Marie vor einer schwierigen Entscheidung – wird sie den Mut aufbringen, die wahre Bedeutung dieser Reise zu offenbaren? Und wie wird ihre Familie auf die bittere Wahrheit reagieren, wenn sie ihr Ziel erreichen?

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße

Di 5.5. (18 und 20 Uhr) / Do 7.5. (17:30) / So 10.5. (13:00)

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße

Deutschland 2025; Regie: Wolfgang Becker; Darsteller*innen: Charly Hübner, Christiane Paul, Leon Ullrich, Leonie Benesch, Thorsten Merten, Dirk Martens, Peter Kurth, Daniel Brühl, Jürgen Vogel, Eva Löbau, Jörn Hentschel; FSK: ab 6; 112 Minuten

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße ist ein warmherziger, kluger und augenzwinkernder Film über Geschichte, Erinnerung und Legenden, die wir uns selbst erzählen. Kurz vor seinem Tod vollendete Regisseur Wolfgang Becker die tragikomische Satire über einen unscheinbaren Videothekenbesitzer, der ungewollt zum Helden einer dramatischen DDR-Fluchtgeschichte stilisiert wird.

Micha Hartung steckt 2019 in einer Lebenskrise: Seine Videothek steht vor dem Aus, die Zukunft ist ungewiss. Doch als ihn zum 30. Jahrestag des Mauerfalls ein Journalist zum Drahtzieher einer angeblichen Massenflucht aus der DDR erklärt, katapultiert eine reißerische Story ihn über Nacht ins Rampenlicht – inklusive Talkshows, Boulevardpresse und einer Einladung ins Bundespräsidialamt. Bald jedoch droht das Kartenhaus aus Halbwahrheiten und Erinnerungen einzustürzen, und Micha kämpft um seine Integrität und die zarte Beziehung zu Paula.

Der Blick auf die deutsch-deutsche Geschichte wird hier als Mythenraum zwischen Wahrheit, Fiktion und Medienrummel inszeniert – eine Erinnerungskultur, die so lebendig ist wie widersprüchlich. Mit feinsinnigem Humor und melancholischer Tiefe zeigt uns dieser Film, was passiert, wenn aus Gerüchten Legenden werden.