Stiller

Di 24.3. (18 und 20 Uhr) / Do 26.3. (17:30) / So 29.3. (13:00)

Stiller

Schweiz/D 2025; Regie: Stefan Haupt; Darsteller*innen: Albert Schuch, Paula Beer, Sven Schelker, Maximilian Simonischek; FSK: ab 12; 99 Minuten

Bei einer Zugreise durch die Schweiz wird der US-Amerikaner James Larkin White an der Grenze festgenommen. Der Vorwurf: Er sei der vor sieben Jahren verschwundene Bildhauer Anatol Stiller, der wegen seiner Verwicklung in eine dubiose politische Affäre gesucht wird. White bestreitet seine Schuld und beharrt darauf, nicht Stiller zu sein. Um ihn zu überführen, bittet die Staatsanwaltschaft Stillers Frau Julika um Hilfe. Aber auch sie vermag ihn nicht eindeutig zu identifizieren, in Erinnerungen wird aber mehr und mehr die Beziehung des Ehepaars offengelegt. Auch der Staatsanwalt hat eine überraschende Verbindung zu dem Verschwundenen. Was ist damals genau passiert und wer ist Stiller wirklich?

Stefan Haupt übersetzt die sperrige Romanvorlage von Max Frisch in eine deutlich leichter verdauliche, kompakt gegossene Kinoversion. Sein stark besetztes Identitätsdrama punktet mit einer vielschichtigen Studie seiner Hauptfigur.

Zikaden

Di 17.3. (18 und 20 Uhr) / Do 19.3. (17:30) / So 22.3. (13:00)

Zikaden

Deutschland/F 2025; Regie: Ina Weisse; Darsteller*innen: Nina Hoss, Saskia Rosendahl, Vincent Macaigne, Thorsten Merten, Christina Große, Alexander Hörbe; FSK ab 6; 99 Minuten

Isabells Leben gerät durcheinander, als sie erkennt, dass ihre betagten Eltern nicht mehr alleine zurechtkommen. Während sie verzweifelt nach Pflegepersonal sucht, pendelt sie zwischen Berlin und dem Wochenendhaus ihrer Eltern, das einst von ihrem Vater im modernistischen Stil erbaut wurde. In dieser angespannten Situation trifft Isabell immer wieder auf die rätselhafte Anja, eine alleinerziehende Mutter, die mit ihren eigenen Herausforderungen zu kämpfen hat. Als Anja und ihre kleine Tochter Greta zunehmend in Isabells Leben treten, entsteht eine unerwartete Bindung zwischen den beiden Frauen. Gleichzeitig beginnt Isabell, an dem Leben zu zweifeln, das sie bislang für sicher und vertraut hielt. Ihre Ehe mit Philippe zeigt erste Risse, und das Gefühl, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren, wird immer stärker.

Zikaden von Ina Weisse erzählt von zwei Frauen, die inmitten zerbrochener Familienstrukturen und persönlicher Unsicherheiten nach einem neuen Verständnis von Heimat und Zugehörigkeit suchen. In poetischen, zurückhaltenden Bildern zeigt der Film, wie das Ideal vergangener Geborgenheit einer Neuorientierung weichen muss, um in einer haltlosen Gegenwart Bestand zu haben. Am Ende bleibt das leise Summen der Zikaden – ein Echo vergangener Sommer und ein Versprechen auf einen Neubeginn.

Amrum

Di 10.3. (18 und 20 Uhr) / Do 12.3. (17:30) / So 15.3. (13:00)

Amrum

Deutschland 2025; Regie: Fatih Akin; Darsteller*innen: Jasper Billerbeck, Laura Tonke, Lisa Hagmeister, Kian Köppke, Lars Jessen, Detlev Buck; FSK ab 12; 93 Minuten

Amrum, 1945: Das Ende des Zweiten Weltkrieges steht unmittelbar bevor. Um seine Mutter in den letzten Kriegstagen zu unterstützen, ist sich der zwölfjährige Nanning für nichts zu schade. Er geht Seehunde jagen oder nachts fischen, Hauptsache, am Ende des Tages steht was zum Essen auf dem Tisch. Doch nachdem der Frieden eingekehrt ist, steht die Familie vor völlig neuen Problemen.

Der 1939 in Hamburg geborene und im November 2025 verstorbene Filmemacher Hark Bohm, Freund und Mentor Akins, wollte seine Kindheitserinnerungen an die letzten auf den nordfriesischen Inseln verbrachten Kriegstage verfilmen. Aber dann ließen die Kräfte schon vor Drehbeginn so sehr nach, dass Akin das Projekt als Regisseur ganz übernahm. Im Vorspann von Amrum heißt es deshalb auch ungewöhnlich, aber passend „Ein Hark Bohm Film von Fatih Akin“. Der tiefe, ehrlich empfundene Respekt, den Akin seinem inzwischen 85-jährigen Mentor gegenüber aufbringt, ist dabei in jeder Einstellung zu spüren. Der Film wurde im Januar als Bester Film mit dem bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.

Wie das Leben manchmal spielt

Di 3.3. (18 und 20 Uhr) / Do 5.3. (17:30) / So 8.3. (13:00)

Wie das Leben manchmal spielt

Frankreich 2023; Originaltitel: Marie-Line et son juge; Regie: Jean-Pierre Améris; Darsteller*innen: Louane Emera, Michel Blanc, Victor Belmondo; FSK: ab 12; 104 Minuten

Marie-Line, eine junge Kellnerin, kämpft sich mühsam durch ihren Alltag. Nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund landet sie vor Gericht. In den Knast muss sie nicht, aber die Geldstrafe ruiniert sie.

Der zuständige Richter Gilles, kurz vor der Pensionierung und in sich gekehrt, sieht in ihr mehr als nur eine Akte. Kurzerhand bietet er ihr an, ihn einen Monat lang als Fahrerin zu begleiten – sein Führerschein wurde ihm kürzlich entzogen. Marie-Line nimmt das Angebot an, ohne zu wissen, wie sehr diese Aufgabe ihr Leben verändern wird. Im pinken Renault Twingo mit geklebter Stoßstange kutschiert die – trotz aller Widrigkeiten – lebensfrohe Frau den eher miesepetrigen Juristen und Beifahrer durch die Gegend. Da bleibt ausreichend Zeit für Wortgefechte und genug Gesprächsstoff, um voneinander zu lernen.

Zwischen der energiegeladenen jungen Frau und dem distanzierten Richter entsteht allmählich eine besondere Verbindung. Durch ihre täglichen Begegnungen kommen sich die beiden näher und beginnen, sich mit den eigenen Lebensbrüchen auseinanderzusetzen. Was als Zweckgemeinschaft beginnt, wird zu einer Begegnung, die neue Wege eröffnet.

Hannah Arendt – Denken ist gefährlich

Di 24.2. (18 und 20 Uhr) / Do 26.2. (17:30) / So 1.3. (13:00)

Hannah Arendt – Denken ist gefährlich

Deutschland/USA 2025; Regie: Jeff Bieber & Chana Gazit; Dokumentarfilm; FSK ab 6; 86 Minuten

Nach langer Zeit widmet sich wieder ein Kinofilm der bedeutenden Philosophin Hannah Arendt – Aktivistin, Medienpersönlichkeit und furchtlose Denkerin „ohne Geländer“. Durch Originalzitate aus Arendts Essays und Briefen, vorgetragen von Nina Hoss, sowie atmosphärische Archivaufnahmen entsteht ein intimes Porträt einer Intellektuellen, deren Leben geprägt war von der Erfahrung des Hitlerfaschismus und der Unfassbarkeit des Holocaust. Der Film zeigt, wie Arendt als Jüdin und Widerstandskämpferin die Welt zu verstehen suchte – und warum ihre Gedanken über die Katastrophen des 20. Jahrhunderts direkt zu uns im Hier und Jetzt sprechen. Ein sehenswerter Film über Hannah Arendt, die vor 50 Jahren am 4. Dezember 1975 in New York starb.

In die Sonne schauen

Di 17.2. (17:30 und 20 Uhr) / Do 19.2. (17:00) / So 22.2. (13:00)

In die Sonne schauen

Deutschland 2025; Regie: Mascha Schilinski; Darsteller*innen: Lena Urzendowsky, Laeni Geiseler, Zoë Baier, Hanna Heckt, Konstantin Lindhorst, Greta Krämer; FSK: ab 16; 149 Minuten

Mascha Schilinskis Film hat es nicht nur als erster deutscher Film nach neun Jahren in den Wettbewerb von Cannes geschafft und dort sogar den Preis der Jury gewonnen, sondern ist noch dazu der deutsche Vorschlag für einen Oscar als Bester Internationaler Film.

Kein Wunder: Der Film ist eines der ambitioniertesten Projekte des aktuellen deutschen Kinos – eigenwillig, poetisch und komplex. Die verschiedenen Erzählungen entfalten sich nicht chronologisch, sondern fließen auf geisterhafte Weise ineinander und sind durch wiederkehrende Motive verknüpft; familiäre Gewalt und Traumata – Kindstod, der Suizid einer Schwester, die Verstümmelung eines Onkels – scheinen über Generationen fortzuwirken. Das alles fasst die Inszenierung in Bilder von einer seltenen Sinnlichkeit, konzentriert im klassischen 4:3-Format: Nahaufnahmen von Stoffen, Oberflächen und Körpern, hypnotische Fahrten durch die getäfelten Stuben des alten Hauses, atmosphärische Naturimpressionen.

So tauchen wir in einen abgeschiedenen Vierseitenhof in der Altmark ein. Die Wände atmen seit über einem Jahrhundert das Leben der Menschen, die hier wohnen, ihren Geschmack, ihr Sein in der Zeit. Es wird erzählt von vier Frauen aus unterschiedlichen Epochen – Alma (1910er), Erika (1940er), Angelika (1980er) und Nelly (2020er) – deren Leben auf unheimliche Weise miteinander verwoben sind. Jede von ihnen erlebt ihre Kindheit oder Jugend auf diesem Hof, doch während sie ihre eigene Gegenwart durchstreifen, offenbaren sich ihnen Spuren der Vergangenheit – unausgesprochene Ängste, verdrängte Traumata, verschüttete Geheimnisse. Beim bayerischen Filmpreis wurde die Berliner Filmemacherin Mascha Schilinski mit dem Regiepreis ausgezeichnet.

Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes

Di 10.2. (18 und 20 Uhr) / Do 12.2. (17:30) / So 15.2. (13:00)

Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes

Deutschland 2025; Regie: Edgar Reitz und Anatol Schuster; Darsteller*innen: Edgar Selge, Barbara Sukowa, Aenne Schwarz; Lars Eidinger, Michael Kranz, Antonia Bill; FSK: ab 6; 104 Minuten

Königin Charlotte liebt den großen Aufklärer und Philosophen Leibniz, seit sie einst seine Schülerin war und die Wonnen des Denkens von ihm vermittelt bekam. Als Königin in Preußen sehnt sie sich nach seinen weisen Antworten auf die großen Fragen des Lebens. Leibniz erfüllt ihr gern den Wunsch, ein Gemälde von sich anfertigen zu lassen, das ihn im Schloss Lietzenburg vertreten soll. Den Auftrag bekommt die als Mann verkleidete junge flämische Malerin Van de Meer. Die Porträtsitzungen inszenieren Edgar Reitz und Co-Regisseur Anatol Schuster als leidenschaftliche Auseinandersetzungen zwischen Philosoph und Künstler über die Frage der Wahrheit im Bild. Kann das Geheimnis einer Person überhaupt abgebildet werden? Werden Bilder unmerklich manipuliert? Erst die niederländische Malerin Aaltje van der Meer vermag es, den Wahrheitssucher Leibniz durch ihre unbeirrbare Liebe zur Kunst herauszufordern und sein Herz zu öffnen. Zehn Jahre und viele Drehbuchfassungen lang hatten sich Reitz und der Schriftsteller Gert Heidenreich mit dem Leibniz-Plan befasst. Das Biopic hätte, so Reitz, am Ende ein nicht finanzierbares Volumen von 25 Millionen Euro angenommen. Stattdessen entschloss man sich für ein radikal neues Konzept. Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes ist ein minimalistisches Werk, das sich auf das als Atelier genutzte Arbeitszimmer des Philosophen beschränkt und nur hin und wieder den barocken Park des Schlosses einbezieht.

Solidarity

Di 3.2. (18 und 20 Uhr) / Do 5.2. (17:30) / So 8.2. (13:00)

Solidarity

Deutschland/Schweiz 2025; Regie: David Bernet; Dokumentarfilm; FSK ab 12; 90 Minuten

Solidarität ist eines der wertvollsten Prinzipien menschlicher Gemeinschaften – und zugleich ein zutiefst widersprüchliches. Der Autor begleitet fünf Akteurinnen der Solidarität. Die Protagonistinnen dieses Films sind Profis in der solidarischen Arbeit. Sie sind keine geschulten Ersthelfer, sondern Menschen, die tief im humanitären System der „globalen Solidarität“ arbeiten. Sie agieren auf unterschiedlichen Ebenen, in regionalen Graswurzelstrukturen bis in den höchsten Ebenen der Vereinten Nationen: Eine Menschenrechtsaktivistin und eine Migrationsberaterin in Polen, Vertreter*innen des UNHCR (Flüchtlingshilfswerk der UNO) in Genf, sowie ein Philosoph in Beirut zeigen uns die hellen wie die dunklen Seiten der Solidarität. Der Film führt uns von der Migrationskrise an der belarussisch-polnischen Grenze über die Fluchtbewegung aus der Ukraine direkt nach der russischen Invasion schließlich in den Solidaritätsclash im Nahen Osten, wo die humanitären Menschenrechte ins Wanken geraten sind.
Cinema Paradiso zeigt den Film in Kooperation mit der Woche für Demokratie und Toleranz Sinsheim. Der Filmemacher David Bernet ist angefragt, um bei der Vorstellung am Dienstag, dem 3. Februar, anwesend zu sein und im Anschluss an einer Diskussion teilzunehmen.

Das tiefste Blau

Di 27.1. (18 und 20 Uhr) / Do 29.1. (17:30) / So 1.2. (13:00)

Das tiefste Blau

Brasilien/Mexiko 2025; Regie: Gabriel Mascaro; Darsteller*innen: Denise Weinberg, Rodrigo Santoro; Adanilo Ludemir, Miriam Socarras; FSK: ab 6; 86 Minuten

Die 77-jährige Tereza lebt in einer kleinen Industriestadt im Amazonasgebiet. Eines Tages erhält sie die offizielle Anweisung der Regierung, in eine Seniorenkolonie in einer entlegenen Gegend zu ziehen. Hier sollen die Alten ihre letzten Jahre „genießen“, während die junge Generation sich voll und ganz auf Produktivität und Wirtschaftswachstum konzentrieren kann. Doch Tereza widersetzt sich. Sie begibt sich auf eine Reise immer weiter hinein in das Amazonasgebiet, durch die Nebenflüsse und den Dschungel. Einen letzten Wunsch will sie sich erfüllen, bevor man ihr die Freiheit nimmt. Einen letzten Wunsch, der Tereza verändern und ihr Leben in eine neue Richtung lenken wird.
Mit DAS TIEFSTE BLAU nimmt Gabriel Mascaro das Publikum mit auf eine transformative Reise durch den Amazonas und erzählt eindringlich vom Streben nach Freiheit und Widerstandsfähigkeit. Auf den 75. Internationalen Filmfestspielen von Berlin wurde der bildgewaltige und kraftvolle Film im Rahmen seiner Weltpremiere mit dem Großen Preis der Jury (Silberner Bär), dem Preis der ökumenischen Jury sowie dem Preis der Leserjury der Berliner Morgenpost ausgezeichnet.

Kleine Dinge wie diese (Small things like these)

Di 20.1. (18 und 20 Uhr) / Do 22.1. (17:30) / So 25.1. (13:00)

Kleine Dinge wie diese (Small things like these)

Irland 2024; Regie: Tim Mielants; Darsteller*innen: Cillian Murphy, Eileen Walsh, Emily Watson; FSK: ab 12; 98 Minuten

Der wortkarge, aber rechtschaffene Bill Furlong liefert Kohlen aus, auch ins Kloster. Eines Tages beobachtet er etwas, das ihn erschüttert, an seine eigene tragische Vergangenheit rührt und seinem Gewissen keine Ruhe mehr lässt. Er ist niemand, der was auf Klatsch und Tratsch gibt, also hat er es bisher vermieden, den Geschichten zu glauben, die man sich über das Kloster und die jungen Frauen, die darin leben, erzählt. Aber nun kann er nicht mehr vergessen, was er gesehen und was ihn zutiefst erschüttert hat und muss jetzt für sich entscheiden, wie er damit umgehen wird. Und alle Seiten drängen ihn dazu, den Mund zu halten…
Es ist eines der düsteren Kapitel der irischen Geschichte, das Claire Keegan in ihrem Roman »Small Things Like These« verarbeitet hat: die Magdalenenheime, Besserungsanstalten und Wäschereien der katholischen Kirche, die von den 1820er Jahren bis 1996 sogenannte gefallene Mädchen, also unverheiratet schwangere Frauen, von der Gesellschaft isolierten, um sie vorgeblich wieder auf den rechten Weg zu bringen. Tatsächlich wurden den Müttern ihre Neugeborenen weggenommen und oft gegen ihren Willen zur Adoption freigegeben. Die Frauen lebten wie Gefangene hinter den Klostermauern, wurden misshandelt und als Arbeitskräfte ausgebeutet. Denn Mitte der 1980er Jahre, lange vor dem wirtschaftlichen Boom Irlands, prägten soziale Härte und prüder Katholizismus den Alltag. So zeichnet der Film ein Gegenbild zur sonst gern wildromantisch in Szene gesetzten grünen Insel: ärmliche Verhältnisse in gedeckten Farben und fahlem Licht.