Smoke Sauna Sisterhood

Di 30.7. (18 und 20 Uhr) / Do 1.8. (17:30) / So 4.8. (13:00)

Smoke Sauna Sisterhood

Estland/F/Island 2023; Regie: Anna Hints; Dokumentarfilm; FSK: o. A.; 89 Minuten

Um Seelenballast loszuwerden braucht es idealerweise eine Umgebung, die Sicherheit, oder besser noch: Geborgenheit vermittelt. In Estland gibt es viele solcher Räume. Hier sind die sogenannten Rauchsaunen weit verbreitet: einfache Holzhütten, die – auch, um die Feuergefahr zu reduzieren – oft etwas abgelegen auf einer Lichtung stehen, meist in der Nähe eines Sees, manche umgeben von dichtem Wald. Es sind friedliche und in den Augen vieler spezifisch weibliche Orte, denn hier wurden auch traditionell Kinder geboren, Tote gewaschen und Heilungsprozesse durchgeführt. Eine Rauchsauna gilt in Estland als lebendes Wesen, das gegrüßt wird und eine Art hölzernes Familienmitglied ist.

Die Filmemacherin hatte große Schwierigkeiten, Investoren zu finden, weil sich niemand vorstellen konnte, dass ein enger, dunkler Raum eine spirituelle Aura entfalten kann, die auch im Kinosaal spürbar ist. Der schamanenhafte Gesang, der im Dokumentarfilm zu hören ist, ist ein wichtiger Bestandteil der traditionellen Saunagänge. Smoke Sauna Sisterhood ist ein wundersam intensives, niemals voyeuristisches, ein geradezu poetisches Erlebnis das uns Zuschauenden vermittelt wird. Der Film wurde als bester Europäischer Dokumentarfilm beim Europäischen Filmpreis ausgezeichnet und gewann beim Sundance Filmfestival 2023 den Spezialpreis der Jury für die beste Dokumentation.

Geliebte Köchin

Di 23.7. (18 und 20 Uhr) / Do 25.7. (17:30) / So 28.7. (13:00)

Geliebte Köchin

Frankreich 2023; Regie: Tràn Anh Hùng; Darsteller*innen: Juliette Binoche, Benoît Magimel, Pierre Gagniere, Galatéa Bellugi, Emmanuel Salinger, Patrick D‘Assumaçao; FSK: ab 6; 136 Minuten

  1. Seit 20 Jahren steht die begnadete Köchin Eugénie im Dienst des legendären Gourmets Dodin Bouffant und kreiert mit ihm köstliche Gerichte. Aus der gemeinsamen Zeit in der Küche und der Leidenschaft für das Kochen ist über die Jahre weit mehr als nur eine Liebe fürs Essen erwachsen. Doch Eugénie will ihre Freiheit nicht aufgeben und hegt keinerlei Absichten Dodin zu heiraten. Also beschließt dieser, etwas zu tun, das er noch nie zuvor getan hat: für sie zu kochen.

Inmitten des passionierten Treibens einer Küche inszeniert Tràn Anh Hùng eine außergewöhnliche und im wahrsten Sinne des Wortes appetitanregende Liebesgeschichte um die Kunst der Verführung und die Sinnlichkeit des Essens. Neben der bezaubernden Juliette Binoche und dem französischen Schauspielstar Benoît Magimel beeindrucken vor allem die kulinarischen Kunstwerke – kreiert von niemand Geringerem als Sternekoch Pierre Gagnaire.

Die einfachen Dinge

Freitag, 19.7.24, ca. 21.30 Uhr

Open Air Kino im Schlosspark Neckarbischofsheim

Die einfachen Dinge

Frankreich 2023; Regie: Èric Besnard; Darsteller*innen: Lambert Wilson, Gregory Badebois, MarieGillain, Betty Pierucci Berthoud, Magali Bonat; FSK: o. A.; 95 Minuten

Vincent Delcourt ist ein erfolgreicher Tech-Champion mit einem prall gefüllten Terminkalender voller Meetings und Konferenzen. Pierre lebt als Selbstversorger zurückgezogen auf einem Hof vor träumerischer Bergkulisse. Sie könnten kaum unterschiedlicher sein, doch durch eine Autopanne von Vincents schickem Cabrio mitten auf einer Landstrasse treffen die ungleichen Männer aufeinander. Der wortkarge Eigenbrötler Pierre rettet Vincent mit seinem Motorrad aus dem Gebirge und beherbergt den gesprächigen Großstädter für die nächsten Stunden widerwillig.
Vincent, der zum ersten Mal in den Genuss von richtiger Landluft kommt, sieht sich plötzlich gezwungen, zu entschleunigen, wobei sich ihm schnell eine unangenehme, lange verdrängte Frage stellt: Ist er eigentlich glücklich? Mit Pierre als personifizierter Einklang mit der Natur vor Augen erleidet Vincent Panikattacken und sieht endlich ein, dass er eine Pause vom Hochleistungsleben braucht. Und wo könnte man diese besser verbringen als bei seinem grummeligen Gastgeber Pierre? Der offizielle Trailer zeigt atemberaubende Naturaufnahmen und Szenen einer ungewöhnlichen Freundschaft.

CINEMA PARADISO zeigt den Film im Schlosspark Neckarbischofsheim. Einlass ist ab 19.30 Uhr, die Vorstellung beginnt mit Einbruch der Dunkelheit. Für die Bewirtung sorgt der Kulturverein Kasinogesellschaft Neckarbischofsheim. Eintritt: 9 €.

Zone of Interest

Di 16.7. (18 und 20 Uhr) / Do 18.7. (17:30) / So 21.7. (13:00)

Zone of Interest

GB/USA/Polen 2023; Regie: Jonathan Glazer; DarstellerInnen: Christian Friedel, Sandra Hüller, Johann Karthaus, Luis Noah Witte; FSK ab 12; 106 Minuten

Rudolf Höss ist der Lagerkommandant im Konzentrationslager Auschwitz. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Hedwig Höss und den fünf Kindern wohnt die Familie in einem zweistöckigen Haus mitsamt großzügigem Garten. Das Anwesen grenzt direkt an die Lagermauer. Es fehlt ihnen an nichts. Für Hedwig ist das Haus der Inbegriff der Idylle, der gepflegte Garten mit Obstbäumen und Blumen, die sie mit der Asche aus den Krematorien düngt, sind ihr ganzer Stolz. Ihr Mann gibt täglich Befehle, bei denen Millionen Menschen in Auschwitz sterben und in den Krematorien verbrannt werden. Als Rudolf nach Oranienburg versetzt werden soll, droht das mühsam aufgebaute Familienidyll zu zerbrechen und er hält die Information vor seiner Ehefrau zurück. Als Hedwig davon erfährt, weigert sie sich, ihr „Traumhaus“ zu verlassen.

Glazers Film basiert lose auf dem Roman Interessengebiet von Martin Amis. Anders als Amis benutzt Glazer die realen Persönlichkeiten, um den Geschehnissen mehr Authentizität zu geben. Für die Hauptrollen gewann Glazer Christian Friedel und Sandra Hüller. Die Dreharbeiten fanden mit Genehmigung des Auschwitz Museums unter anderem in Auschwitz selbst statt. Bei den Filmfestspiele 2023 wurde der Film mit dem Grand Prix und bei den Academy Awards mit zwei Oscars als bester internationaler Film und für den besten Ton ausgezeichnet.

Rickerl – Musik ist höchstens a Hobby

Di 9.7. (18 und 20 Uhr) / Do 11.7. (17:30) / So 14.7. (13:00)

Rickerl – Musik is höchstens a Hobby

Deutschland 2024; Regie: Adrian Goiginger; Darsteller*innen: Voodoo Jürgens, Agnes Hausmann, Nicole Beutler; FSK ab 12; 109 Minuten

Erich „Rickerl“ Bohacek (Voodoo Jürgens) ist Idealist und die Kneipen im Wiener Arbeiterviertel sind sowohl sein Wohnzimmer als auch seine Bühne. Jeden Abend spielt er sich für ein kleines Geld in die Herzen der Zuhörer, die sich ohnehin jede Nacht dort herumtreiben. Als Straßen- und Kneipen-Musiker kommt er gerade so über die Runden, für große Sprünge reicht das aber nicht. So hält er sich nebenbei noch mit Gelegenheitsjobs als Totengräber, Sexshop-Angestellter und Hochzeitssänger über Wasser, anstatt endlich seine erste Platte aufzunehmen.

Der Lebensentwurf seiner Ex-Freundin Viki sieht da völlig anders aus. Sie wohnt mit ihrem neuen Freund Kurti gut bürgerlich in einem Eigenheim mit Rollrasen. Rickerls große Stütze ist sein achtjähriger Sohn Dominik, der jedes zweite Wochenende bei ihm ist. Rickerl hofft, mit seinen gefühlvollen Liedern irgendwann den großen Durchbruch zu haben. Doch leider steht er sich dabei oft selbst im Weg. Erst als Rickerl kurz davorsteht, alles zu verlieren, findet er seine ganz eigene und verschrobene Lösung, um sein Leben endlich in die richtige Bahn zu lenken.

Dank seines kongenialen Hauptdarstellers Voodoo Jürgens gelingt Adrian Goiginger nach einigen filmischen Ausflügen ins Melodramatische eine musikalische Gossenkomödie voller Witz, Charme und Schmäh. Mehr Wien geht eigentlich kaum.

Oppenheimer

Di 2.7. (18 und 20 Uhr) / Do 4.7. (17:30) / So 7.7. (13:00)

Oppenheimer

Großbritannien/USA 2023; Regie: Christopher Nolan; Darsteller*innen: Cillian Murphy, Robert Downey Jr., Matt Damon; FSK: ab 12; Prädikat: besonders wertwoll; 180 Minuten

Als der Physiker Julius Robert Oppenheimer während des Zweiten Weltkriegs die wissenschaftliche Leitung des Manhattan-Projekts übertragen wird, können er und seine Ehefrau Kitty sich nicht vorstellen, welche Auswirkungen diese Arbeit nicht nur auf ihr Leben, sondern auf die der ganzen Welt haben wird. Im Los Alamos National Laboratory in New Mexiko sollen er und sein Team unter der Aufsicht von Lt. Leslie Groves eine Nuklearwaffe entwickeln – was ihnen auch gelingt.
Oppenheimer wird zum „Vater der Atombombe“ ausgerufen, doch dass seine tödliche Erfindung bald folgenschwer in Hiroshima und Nagasaki eingesetzt wird, lässt Oppenheimer Abstand von dem Projekt nehmen. Als der Krieg zu Ende geht, setzt sich Robert Oppenheimer als Berater der US-amerikanischen Atomenergiebehörde, die von Lewis Strauss mitbegründet wurde, für eine internationale Kontrolle von Kernenergie und gegen ein nukleares Wettrüsten ein – und gerät ins Visier des FBI.

Die Herrlichkeit des Lebens

Di 25.06. (18 und 20 Uhr) / Do 27. 06. (17:30) / So 30.06. (13:00)

Die Herrlichkeit des Lebens

Deutschland/Österreich 2022; Regie: Georg Maas, Judith Kaufmann; Darsteller*innen: Sabin Tambrea, Henriette Confurius; FSK ab 6; 98 Minuten

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Michael Kumpfmüller aus dem Jahre 2011 erzählt der Film von der späten Liebe zwischen Franz Kafka und Dora Diamant.
Im Jahr 1923 lernen sich Dora Diamant und Franz Kafka zufällig am Ostseestrand kennen. Er ist ein Mann von Welt, sie aus dem tiefen Osten, er kann schreiben, sie kann tanzen. Sie steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden, er schwebt immer etwas darüber. Sie umarmt den Indikativ, er verheddert sich im Konjunktiv. Aber als die beiden einander kennenlernen, wird alle Verschiedenheit einerlei. Ein einziges Jahr ist ihnen vergönnt, bis Franz Kafka viel zu früh stirbt. Auch wenn Kafkas Gesundheitszustand sich mehr und mehr verschlechtert, das gemeinsame Jahr lässt die beiden die Herrlichkeit des Lebens spüren. Die Aussage: „Es zählt nur der Augenblick“, schwebt über diesem poetischen Film, der nur am Rande das Werk Kafkas behandelt. Die beiden Hauptdarstller*innen überzeugen als Liebespaar, das sich im Angesicht des Todes findet und zusammenbleibt – bis zum bitteren Ende.

The Quiet Girl

Di. 18.06. (18 und 20 Uhr) / Do. 20.06. (17:30 Uhr) / So. 23.06. (13 Uhr)

The Quiet Girl (An Cailín Ciúin)

Irland 2022; Regie: Colm Bairéad; Darsteller*innen: Carrie Crowley, Andrew Bennelt, Catherine Clinch, Michael Patric;  FSK: ab 12; 96 Minuten

Am Ende des Frühjahrs 1981 wird die 9-jährige Cáit zu entfernten Verwandten aufs Land gebracht. Das schweigsame Mädchen soll hier den Sommer verbringen, ohne ihrem Elternhaus zur Last zu fallen. Wann und ob sie wieder nach Hause zurückkehren wird, weiß sie nicht. Die Kinsellas sind hart arbeitende Farmer, die es zu bescheidendem Wohlstand gebracht haben. Eibhlín kümmert sich behutsam und liebevoll um Cáit, gibt ihr Geborgenheit und Nähe. Zu Seán, dem Mann im Haus, ist das Verhältnis distanziert, bis auch er sich von dem Mädchen bei der Arbeit mit den Tieren helfen lässt und sich dem ruhigen Kind langsam öffnet. In der Obhut der Kinsellas blüht Cáit langsam auf und entdeckt ein ganz neues Leben. Doch auch in diesem Haus, wo es so etwas wie Liebe für sie geben könnte, herrscht eine Stille, die sich vom leisen, aber dauernden Schmerz seiner Bewohner ernährt. Inmitten dieser kargen, schönen irischen Landschaft liegt ein Geheimnis verborgen, auf dessen Spuren sich Cáit mit neu gewonnenem Mut und Vertrauen begibt.

THE QUIET GIRL ist eine stille Sensation im Kinojahr. Der erste irisch-sprachige Film, der für einen Oscar nominiert wurde, ist eine sanfte und zutiefst hoffnungsvolle Erzählung über Menschen, die versuchen, Schmerz und Einsamkeit hinter sich zu lassen. In großen Kinobildern, die von leuchtenden Farben gesättigt sind, erzählt THE QUIET GIRL davon, wie Liebe und Geborgenheit einen gemeinsamen Raum der Sprachlosigkeit entstehen lassen. Ein starker und intensiver Film der Bilder über eine Menschlichkeit, die sich jenseits von Worten entfaltet.

The Holdovers

Di. 11.6. (18 und 20 Uhr) / Do. 13.6. (17:30) / So. 16.6. (13:00 Uhr)

The Holdovers

USA 2023; Regie: Alexander Payne; Darsteller*innen: Paul Giamatti, Da’vine Joy Randolph, Dominic Sessa u.a.; FSK: ab 12; 134 Minuten

Niemand mag den Lehrer Paul Hunham – weder seine Schüler noch seine Kollegen, noch der Schulleiter. Alle finden seine Aufgeblasenheit und Starrheit nervtötend.
Da er keine Familie hat und in den Weihnachtsferien 1970 nirgendwo hingehen kann, bleibt Paul trotzdem in der Schule, um die Schüler zu beaufsichtigen, die nicht nach Hause fahren können. Nach ein paar Tagen ist nur noch ein Schüler übrig, ein 15-Jähriger namens Angus. Ein guter Schüler, der wegen seines schlechten Benehmens jedoch immer von der Schule zu fliegen droht.
Zu Paul und Angus gesellt sich die Chefköchin Mary – eine afroamerikanische Frau, die sich um die Söhne von Privilegierten kümmert und deren eigener Sohn kürzlich im Vietnamkrieg gefallen ist.
Diese drei sehr unterschiedlichen Schiffbrüchigen bilden eine unwahrscheinliche Weihnachtsfamilie, die während zwei sehr verschneiten Wochen in Neuengland komische Missgeschicke erlebt.

Orca

Di. 04.06. (18 und 20 Uhr) / Do. 06.06. (17:30 Uhr) / So. 09.06. (13 Uhr)

Orca

Iran/Katar 2021; Regie: Sahar Mosayebi; Darsteller*innen: Taraneh Alidoosti, Mahtab Keramati, Mahtab Nasirpour, Hassan Zarei; FSK: o. A.; 107 Minuten

ORCA ist von einer wahren Geschichte inspiriert. Elham Asghari findet nach der Scheidung von ihrem Mann durch das Schwimmen wieder zu sich selbst. Sie verewigt sich im Guinnessbuch der Rekorde, indem sie in Handschellen den Persischen Golf durchschwimmt; 2017 legt sie 4,2 Kilometer in drei Stunden zurück. Der Weg dahin führt über ein Minenfeld von inneren, familiären und sportpolitischen Konflikten. In der islamischen Republik Iran gibt es keinen Platz für Schwimmwettbewerbe der Frauen. Doch Elhan ist wie ihr Vater ein »dickköpfiger Esel«. Der Ex-Freistilringer wird – wie andere mutige Verbündete – zur Stütze seiner Tochter. Sie geht keinem Gegner aus dem Weg – und seien es mordbereite Revolutionsgarden. 
ORCA verzichtet auf wütende Polemik. »Alle Vorfälle in dem Film sind wahr, sie sind real, und Elham hat das alles durchgemacht. Mit diesem Film stellen wir Fakten dar und kritisieren oder verurteilen niemanden«, sagt Mosayebi. Sie macht physische Tortur gleichsam körperlich spürbar. Elhams Triumph inszeniert sie mit optimistisch funkelndem Sonnenlicht, Bewegung, Tanz, rhythmischem Klatschen und Musik. 
Elham Asghari hat viele Rekorde aufgestellt, keiner von ihnen wurde bis heute offiziell anerkannt.