Wie das Leben manchmal spielt

Di 3.3. (18 und 20 Uhr) / Do 5.3. (17:30) / So 8.3. (13:00)

Wie das Leben manchmal spielt

Frankreich 2023; Originaltitel: Marie-Line et son juge; Regie: Jean-Pierre Améris; Darsteller*innen: Louane Emera, Michel Blanc, Victor Belmondo; FSK: ab 12; 104 Minuten

Marie-Line, eine junge Kellnerin, kämpft sich mühsam durch ihren Alltag. Nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund landet sie vor Gericht. In den Knast muss sie nicht, aber die Geldstrafe ruiniert sie.

Der zuständige Richter Gilles, kurz vor der Pensionierung und in sich gekehrt, sieht in ihr mehr als nur eine Akte. Kurzerhand bietet er ihr an, ihn einen Monat lang als Fahrerin zu begleiten – sein Führerschein wurde ihm kürzlich entzogen. Marie-Line nimmt das Angebot an, ohne zu wissen, wie sehr diese Aufgabe ihr Leben verändern wird. Im pinken Renault Twingo mit geklebter Stoßstange kutschiert die – trotz aller Widrigkeiten – lebensfrohe Frau den eher miesepetrigen Juristen und Beifahrer durch die Gegend. Da bleibt ausreichend Zeit für Wortgefechte und genug Gesprächsstoff, um voneinander zu lernen.

Zwischen der energiegeladenen jungen Frau und dem distanzierten Richter entsteht allmählich eine besondere Verbindung. Durch ihre täglichen Begegnungen kommen sich die beiden näher und beginnen, sich mit den eigenen Lebensbrüchen auseinanderzusetzen. Was als Zweckgemeinschaft beginnt, wird zu einer Begegnung, die neue Wege eröffnet.

Hannah Arendt – Denken ist gefährlich

Di 24.2. (18 und 20 Uhr) / Do 26.2. (17:30) / So 1.3. (13:00)

Hannah Arendt – Denken ist gefährlich

Deutschland/USA 2025; Regie: Jeff Bieber & Chana Gazit; Dokumentarfilm; FSK ab 6; 86 Minuten

Nach langer Zeit widmet sich wieder ein Kinofilm der bedeutenden Philosophin Hannah Arendt – Aktivistin, Medienpersönlichkeit und furchtlose Denkerin „ohne Geländer“. Durch Originalzitate aus Arendts Essays und Briefen, vorgetragen von Nina Hoss, sowie atmosphärische Archivaufnahmen entsteht ein intimes Porträt einer Intellektuellen, deren Leben geprägt war von der Erfahrung des Hitlerfaschismus und der Unfassbarkeit des Holocaust. Der Film zeigt, wie Arendt als Jüdin und Widerstandskämpferin die Welt zu verstehen suchte – und warum ihre Gedanken über die Katastrophen des 20. Jahrhunderts direkt zu uns im Hier und Jetzt sprechen. Ein sehenswerter Film über Hannah Arendt, die vor 50 Jahren am 4. Dezember 1975 in New York starb.

In die Sonne schauen

Di 17.2. (17:30 und 20 Uhr) / Do 19.2. (17:00) / So 22.2. (13:00)

In die Sonne schauen

Deutschland 2025; Regie: Mascha Schilinski; Darsteller*innen: Lena Urzendowsky, Laeni Geiseler, Zoë Baier, Hanna Heckt, Konstantin Lindhorst, Greta Krämer; FSK: ab 16; 149 Minuten

Mascha Schilinskis Film hat es nicht nur als erster deutscher Film nach neun Jahren in den Wettbewerb von Cannes geschafft und dort sogar den Preis der Jury gewonnen, sondern ist noch dazu der deutsche Vorschlag für einen Oscar als Bester Internationaler Film.

Kein Wunder: Der Film ist eines der ambitioniertesten Projekte des aktuellen deutschen Kinos – eigenwillig, poetisch und komplex. Die verschiedenen Erzählungen entfalten sich nicht chronologisch, sondern fließen auf geisterhafte Weise ineinander und sind durch wiederkehrende Motive verknüpft; familiäre Gewalt und Traumata – Kindstod, der Suizid einer Schwester, die Verstümmelung eines Onkels – scheinen über Generationen fortzuwirken. Das alles fasst die Inszenierung in Bilder von einer seltenen Sinnlichkeit, konzentriert im klassischen 4:3-Format: Nahaufnahmen von Stoffen, Oberflächen und Körpern, hypnotische Fahrten durch die getäfelten Stuben des alten Hauses, atmosphärische Naturimpressionen.

So tauchen wir in einen abgeschiedenen Vierseitenhof in der Altmark ein. Die Wände atmen seit über einem Jahrhundert das Leben der Menschen, die hier wohnen, ihren Geschmack, ihr Sein in der Zeit. Es wird erzählt von vier Frauen aus unterschiedlichen Epochen – Alma (1910er), Erika (1940er), Angelika (1980er) und Nelly (2020er) – deren Leben auf unheimliche Weise miteinander verwoben sind. Jede von ihnen erlebt ihre Kindheit oder Jugend auf diesem Hof, doch während sie ihre eigene Gegenwart durchstreifen, offenbaren sich ihnen Spuren der Vergangenheit – unausgesprochene Ängste, verdrängte Traumata, verschüttete Geheimnisse. Beim bayerischen Filmpreis wurde die Berliner Filmemacherin Mascha Schilinski mit dem Regiepreis ausgezeichnet.

Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes

Di 10.2. (18 und 20 Uhr) / Do 12.2. (17:30) / So 15.2. (13:00)

Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes

Deutschland 2025; Regie: Edgar Reitz und Anatol Schuster; Darsteller*innen: Edgar Selge, Barbara Sukowa, Aenne Schwarz; Lars Eidinger, Michael Kranz, Antonia Bill; FSK: ab 6; 104 Minuten

Königin Charlotte liebt den großen Aufklärer und Philosophen Leibniz, seit sie einst seine Schülerin war und die Wonnen des Denkens von ihm vermittelt bekam. Als Königin in Preußen sehnt sie sich nach seinen weisen Antworten auf die großen Fragen des Lebens. Leibniz erfüllt ihr gern den Wunsch, ein Gemälde von sich anfertigen zu lassen, das ihn im Schloss Lietzenburg vertreten soll. Den Auftrag bekommt die als Mann verkleidete junge flämische Malerin Van de Meer. Die Porträtsitzungen inszenieren Edgar Reitz und Co-Regisseur Anatol Schuster als leidenschaftliche Auseinandersetzungen zwischen Philosoph und Künstler über die Frage der Wahrheit im Bild. Kann das Geheimnis einer Person überhaupt abgebildet werden? Werden Bilder unmerklich manipuliert? Erst die niederländische Malerin Aaltje van der Meer vermag es, den Wahrheitssucher Leibniz durch ihre unbeirrbare Liebe zur Kunst herauszufordern und sein Herz zu öffnen. Zehn Jahre und viele Drehbuchfassungen lang hatten sich Reitz und der Schriftsteller Gert Heidenreich mit dem Leibniz-Plan befasst. Das Biopic hätte, so Reitz, am Ende ein nicht finanzierbares Volumen von 25 Millionen Euro angenommen. Stattdessen entschloss man sich für ein radikal neues Konzept. Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes ist ein minimalistisches Werk, das sich auf das als Atelier genutzte Arbeitszimmer des Philosophen beschränkt und nur hin und wieder den barocken Park des Schlosses einbezieht.